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Richtertagung - 23. / 24. Juni 2012 - Münstertal (GR)

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Aufmerksame Beobachter und Zuhörer bei der Besprechung der Prüfungsergebnisse.

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Emil Isenring mit der Auswertung der Richterberichte der Regionalgruppen.

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Organisationskomitee von links nach rechts: Christian Schreiber, Fritz Keller, Emil Isenring, Christian Riffel, Leo Duschen und Cristian Benderer.

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Der Präsident des SLC, Paul Annen, bedankt sich bei den Bündner Organisatoren.

Am Wochenende vom 23./24. Juni 2012 fand bei schönstem Wetter im Münstertal ein Weiterbildungskurs für die Leistungsrichter des Schweizerischen Laufhundeclubs statt. Organisiert wurde dieser wichtige und alle zwei Jahre stattfindende Anlass von der Regionalgruppe Graubünden, unter Leitung ihres Präsidenten Christian Schreiber. Verantwortlich für die tadellose Durchführung und Gestaltung des Anlasses waren Christian Benderer, Leo Duschen, Emil Isenring, Fritz Keller und Christian Riffel.

Am Samstag begrüsste Emil Isenring die ca. 60 Leistungsrichter aus der ganzen Schweiz im Gemeindehaus von Müstair, das uns als Tagungslokal zur Verfügung gestellt wurde.

Analysieren anhand von Filmsequenzen

Für diesen Theorieteil vom Samstagnachmittag hatte Cristian Benderer aus mehreren Filmen, die Schweizer Laufhunde bei der Arbeit zeigen, einen Film zusammengeschnitten. Zusammen wurde dieses Video angeschaut und von Christian Riffel analysiert.

In einem ersten Teil wurde eine intensive Diskussion über verschiedene Laute geführt. Das Prüfungsreglement für Schweizer Laufhunde umschreibt den Laut wie folgt: Der Laut ist klangvoll und wohlklingend; er ist weithin hörbar. In alten Schriften über die Laufhunde ist immer wieder von einem Hurleurlaut die Rede. In Frankreich, wo für Laufhunde immer auch ein Arbeitsstandard erstellt wird, gelten die Hurleurlaute als das Mass aller Dinge. Ein Hurleurlaut tönt so, als ob mehrere Hunde jagen würden, es sollten also verschiedene Lautvariationen vorhanden sein. Anhand der Filmsequenzen konnten Hunde mit Hurleurlauten, aber auch solche mit monotonen Lauten, vorgestellt werden. Auch ein Hund, der während der Jagd zu wenig intensiv lautet, was auch als Fehler bewertet werden muss, konnte gezeigt werden.

Der zweite Teil des Videos galt dem Prüfungsfach «Suche, Arbeit auf der Spur und Stechen». Hier konnten auch einige Situationen, wie sie an Prüfungen vorkommen, gezeigt werden. Arbeiten auf der Spur mit zu viel Vorlaut oder Hunde, die beim Vorlauten ständig den Kopf heben und dadurch immer wieder ein paar Sekunden brauchen, um die Fährte am Boden erneut aufzunehmen. Auch waren auf dem Film Szenen festgehalten, bei denen man das Stechen nicht hören konnte, was auch entsprechend bewertet werden muss.

In einer offenen Diskussion wurde anschliessend noch die eine oder andere Feinheit bei der Bewertung besprochen, da es ja in der Natur der Menschen liegt, dass die Geschmäcker nicht immer gleich ausgeprägt sind. Doch grundsätzlich konnte man sich nach einigem Hin und Her auf einen einheitlichen Standard einigen. Grundsätzlich haben unsere Laufhunde von Natur aus ausgezeichnete Laute und müssen deswegen nicht extra auf ein Konservatorium geschickt werden!

Gemütlicher Abend

Mittlerweile waren auch wieder die mitgereisten Frauen eingetroffen, die zwischenzeitlich das als Weltkulturerbe geltende Kloster St. Johann besichtigt hatten.

Bevor man zum verdienten Apéro und zum Nachtessen überging, wurde den Anwesenden noch kurz der Schweizerische Nationalpark vorgestellt. Wer wäre dazu nicht besser geeignet als ein pensionierter Parkwächter in der Person von Peter Roth, der mit bewegenden Worten und eindrücklichen Zahlen diesen wunderschönen Park uns näherbrachte und anschliessend noch Zeit fand, in geselliger Runde sein letztjährig erschienenes Buch «In Begleitung des Arvenhähers» zu signieren.

Die meisten Teilnehmer gingen am Abend rechtzeitig ins Bett, doch bei einigen Unentwegten fing das verbale Jagen mit dem Laufhund erst richtig an und nicht nur so manch erlegter Hase wurde im Verlaufe des Abends immer schwerer, sondern auch der Kopf des einen oder andern Zuhörers.

Praktischer Teil im Val Mora

Am Sonntag traf man sich nach einem ausgiebigen Frühstück schon um 06.30 Uhr vor dem Hotel zur Abfahrt ins Val Mora, wo auf die Teilnehmer jetzt der praktische Teil der Weiterbildung wartete. In einer wunderbaren Landschaft und bei schönstem Wetter wurden dort zwei Hunde nacheinander geschnallt und anschliessend von den Richtern bewertet. Interessant war diesmal der Vergleich unter den einzelnen Regionalgruppen.

Die Bewertungsbögen der einzelnen Richter wurden regionalgruppenweise eingesammelt, damit man den Durchschnitt der Regionalgruppen errechnen konnte. Erstaunlicherweise wichen die Resultate nur äusserst minim voneinander ab, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Laufhunde schweizweit eigentlich nach dem gleichen Standard gerichtet werden. Dies ist sicher ein Verdienst des Theorieteils vom Vortag und ein Beweis dafür, dass die Richter aufmerksam den Worten von Christian Riffel zugehört haben.

Während das Organisationskomitee die Resultate ausrechnete, wurden die Richter mit einem heissen Kaffee und Nussgipfeln bei guter Laune gehalten.

Auf ein Wiedersehen im Bündnerland

Am frühen Nachmittag waren alle wieder in Talgrund in Münster und stärkten sich dort ein letztes Mal bei einem Mittagessen für die Rückreise, die für einige Mitglieder recht lange dauerte, denn so schön wie das Münstertal auch ist, so abgelegen ist es für jemanden, der aus der Westschweiz anreist. An solchen Tagen merkt man erst, wie gross die Schweiz eigentlich ist. Doch trotz allem Aufwand für die von weither Angereisten, man wurde mit einem von den Bündnern hervorragend organisierten Anlass und einer einmaligen Landschaft entschädigt und alle freuen sich auf ein Wiedersehen im Münstertal.

George Burchard, Sekretär SLC