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Georges Rueflin
1981-1982

Mein Freund hat, uns anfangs März nach 10 Tagen Spitalaufenthalt verlassen. Sein Leben erlosch wie er es gelebt hatte: bei klarem Verstand. Das wird kaum jemand überraschen, Georges war sich immer treu, seinen Ideen und seinen Grundsätzen.

Er wurde 1891 im kleinen Dorf Pleigne geboren, er lebte in Rebeuveier, dem er während einem Menschenleben sein Bestes gegeben hat. Als Sohn eines Lehrers erwarb er 1911 in Pruntrut das-Diplom eines Primarlehrers und unterrichtete während 47 Jahren im gleichen Dorf. Und wenn man weiss, dass er neben einem. Nimrod heranwuchs, versteht man, dass sein Weg schon vorgezeichnet war ... und auch der meinige!

Wie konnte ich, als ich ihm mit meiner ersten Lehrerstelle an der 0berschule von Rebeuvelier nachfolgte, seinen Naturkenntnissen, seiner Einstellung zur Jagd, seiner Leidenschaft, für die laute Jagd gegenüber unempfindlich bleiben. Und als ich 1964 in seine Jagdgruppe eintreten durfte – «die Gruppe der Alten» ernannte man sie ironisch-liebenswürdig und sprach von Georges, von Emile und von Oswald – ahnte ich die Tragweite nicht, die dieser Entscheid für mich brachte.

Für Georges Rueflin bildeten die Natur, die Hunde und die Jagd eine Einheit. Und sein Interesse dafür war das ganze Jahr wach, gut bemessen, in regelmässigem Rhythmus und lebensnah. Der Suche nach ersten Morcheln folgte am Auffahrtstag der Ausflug nach Raimeux, während dem uns am Fronleichnam Gross-Schönenberg aufnahm. Ein anderer wichtiger Augenblick war jene Zusammenkunft an der man über den 0rt der Jagderöffnung entschied. Ein Abend genügte kaum um sich über den Treffpunkt, - wie jedes Jahr auf dem Montchemin! - einigen zu können. Diese für die Hasenjagd ideale Gegend schenkte uns volle Befriedigung und erlaubte den Hündinnen meines Freundes Georges ihr Geläute um die Wette erklingen zu lassen.

Sonate und Silva, seine beiden letzten Schwyzer Laufhunde waren der Gegenstand seiner ständigen Aufmerksamkeit und Zuneigung. Dieses Pflichtbewusstsein, die Gewissenhaftigkeit und die duldsame Art, von Georges Rueflin kennend, vertraute ihm der Schweizerische Laufhundclub 1950 die Funktion des Sekretärs an, während 24 Jahren versah er diese Aufgabe mit Sachkenntnis, Verständnis und Sinn für Humor. Wenn einem die Leidenschaften, die die Jagd erzeugen kann, bewusst sind, wenn man weiss, dass zwischen Graubünden und dem Welschland nicht, allein 350 Kilometer liegen, kann man den vollen Wert seiner Menschlichkeit ermessen. Als er mich im Jahre I974 einlud, seine Nachfolge als Sekretär des Schweiz. Laufhundclubs anzutreten, hat ihn dieser Club in Würdigung seiner Verdieste und in Dankbarkeit zu seinem Ehrenmitglied ernannt.

Am Freitag, 5. März 1982, nach dem letzten Abschied, trafen sich seine Freunde weder. Hier drängt sich jedem ein Erinnerungsbild auf an einen Menschen, der entbrannt für die Freiheit, treu in seinen Zuneigungen, bescheiden und zurückhaltend war. Er wird uns in Wirklichkeit niemals verlassen.

Jean-Pierre Boegli, Präsident der Gruppe Jura und Obmann der Zuchtkommission des Schweiz. Laufhundclubs.